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Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten

Ausbildung an der Raketenschule der Luftwaffe, Fort Bliss, Texas

Hat man sich einmal für die Flugabwehr in der Luftwaffe und speziell für das Waffensystem HAWK entschieden, wird man früher oder später, bevor man ein echter HAWKER wird, einen Lehrgang in Amerika absolvieren müssen.

Fliegt man das erste Mal nach Amerika, fängt alles ziemlich hektisch an. Die Administration ist aufwendig, alles Mögliche und Unmögliche ist zu beantragen und zu beachten. Da kommen dann auch die guten Ratschläge der Kameraden, die schon mal »drüben« waren und die mit leuchtenden Augen von El Paso, Fort Bliss und Mexiko erzählen und dabei leicht ins Schwärmen verfallen.

 

Gewappnet mit tausend Ratschlägen und mit dem leichten Unbehagen, nun ca. zwölf Monate fern von Heimat und Freunden sein zu müssen, besteigt man in Köln- Wahn den Bw-Jet vom Typ Boeing 707 der Flugbereltschaft des BMVg und startet mit vielen anderen Kameraden und deren Familien zum Abenteuer Amerika. Was dann in den Monaten der Ausbildung und der Freizeit »drüben« so passiert, wird wohl keiner mehr so schnell vergessen können.

 

Nach einem sehr langen Flug mit Zwischenlandung in Washington fliegt man in dem letzten Abschnitt dieser Reise über eine von oben nicht besonders einladend wirkende braune Wüsten- und Steppenlandschaft. Dann taucht, am Fuße der Franklin Mountains, einem Ausläufer der Rocky Mountains, El Paso auf.

 

El Paso liegt im südwestlichen Zipfel von Texas und ist durch den Rio Grande von der Schwesterstadt Juarez, die sich bereits auf mexikanischem Gebiet befindet, getrennt. Diese wohl größte zweisprachige Gemeinde in 1 300 Meter Höhe steht auf einem geschichtsträchtlgen Boden. Der Bogen ließe sich von der Zeit der Entdeckung Amerikas durch die Spanier über die wilden Jahre des vorigen Jahrhunderts bis in unsere Tage spannen und jeder Abschnittwäre so interessant wie der andere.

 

Fort Bliss, einst altes Grenzfort der US-Cavalry, hat sich heute zu einem Kasernenkomplex unvorstellbaren Ausmaßes ent­wickelt. USAADS, US Army Air Defense School, Ft. Bliss Texas, das größte Luftverteidigungszentrum (-Schule) der Freien Welt, bildet Soldaten aus ca. zwanzig verschiedenen Nationen aus. Die deutsche Raketenschule der Luftwaffe am US Army Air Defense Center bildet nun schon seit dreizehn Jahren den deutschen FlaRak- Nachwuchs aus.

 

In einer Lehrgruppe werden die Bediener und das Wartungspersonal für das Waf­fensystem NIKE (Offiziere und Unteroffiziere) und in der zweiten Lehrgruppe die Bediener und das Wartungspersonal für das Waffensystem HAWK geschult. Das Instandsetzungspersonal für beide Waffensysteme erhält seine Ausbildung in Redstone/Alabama.

 

Je nach Lehrgangsart werden die Soldaten teils an der amerikanischen Schule von amerikanischen Spezialisten ausgebildet, teils finden Lehrgangsabschnitte an der deutschen Schule statt. Die Ausbildung reicht von den Grundlagen der Elektronik über Fehlersuche an den einzelnen Geräten bis hin zur praktischen Bedienung der Geräte und ihrem taktischen Einsatz. Während die theoretische Ausbildung im größeren Rahmen stattfindet, erfolgt die praktische Geräteausbildung in kleinen Gruppen. Wegen der besonderen klimatischen Verhältnisse, besonders während der Sommermonate, muß mit der Ausbildung oft schon um Zeiten kurz nach Mitternacht begonnen werden. Dafür bleibt dann der Nachmittag zur freien Verfügung: Swimming-pool, Reiten, Einkaufsbummel in Juarez, um nur einige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung zu nennen. Nicht vergessen darf man da einen Zug durch den »Sumpf«, wie das Vergnügungszentrum in Juarez heimlich genannt wird. Dabei darf natürlich ein Besuch bei Mama Cita, der schon legendären »Garnisonsmutter«, nicht fehlen.

 

Für die Dauer des USA-Aufenthaltes bekommen die Lehrgangsteilnehmer erhöhte Dienstbezüge. Diese Aufbesserung ermöglicht es, den Verhältnissen des Landes entsprechend, ein angemessenes Leben zu führen. Man genießt die Vergünstigungen der US Army: wie z. B. die verbilligten Einkaufsmöglichkeiten in der PX und in der COMMISSARY, die freie Heilfürsorge auch für die eigenen Angehörigen in modernen Army Hospitals, oder die Betreuungseinrichtungen wie Hobbyshops aller Art, Kinos, Clubs, Büchereien, Tennisplätze und Sporteinrichtungen jeglicher Art. Hat man vom »Host Family Programm« eine Familie vermittelt bekommen, lernt man »american way of life« sozusagen direkt und mit Familienanschluß. Manch einer verliert dort sein Herz und trägt damil direkt zur Völkerverständigung bei.

Die Tage und Wochen der Ausbildung, der Prüfungsstreß und das umfangreiche und abwechslungsreiche Freizeitangebot lassen dem Lehrgangsteilnehmer die Zeit wie im Fluge vergehen. Noch bevor am Abschlusstag, dem »Graduation Day«, die Lehrgangsdiplome verteilt werden, sind alle, Verheiratete wie Junggesellen, damit beschäftigt, den Hausstand aufzulösen. Da wird verkauft und verschenkt was nicht mit soll nach »Old Germany«.

Dann geht es schnell, ein kurzer Abschied, bei dem nicht selten Tränen fließen, der Flug zurück und dann beginnt auch schon der graue Alltag im Schichtdienst und das Wiedereingewöhnen in ein fast schon ein wenig fremd gewordenes Land.

 

Quelle: Broschüre "20 Jahre FlaRakBtl 39"

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