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Der Auftrag des Bataillons

Wappen 39Das Flugabwehrraketenbataillon 39 hat im Rahmen der integrierten Luftverteidigung der NATO die Aufgabe, zu jeder Zeit feindliche Flugziele in niedrigen und mittleren Höhen mit dem Ziel der Vernichtung zu bekämpfen. Im Zusammenwirken mit anderen Luftverteidigungskräften erfolgt die Einsatzführung durch übergeordnete Gefechtsstände oder in autonomer Kampfführung des Bataillons.

 

Der Einsatz erfolgt aus ausgebauten Stellungsbereichen oder im beweglichen Einsatz aus gesicherten Feldstellungen.

 

Das Waffensystem IMPROVED HAWK

Das Waffensystem Improved HAWK ist ein Flugabwehrraketen-Waffensystem zur Bekämpfung und Vernichtung von Flugzielen in niedrigen und mittleren Höhen. Es kann im Zusammenwirken mit anderen Luftverteidigungskräften oder selbständig, in ortsfesten Stellungen oder beweglich eingesetzt werden.

Die Feuereinheit des Waffensystems ist die Flugabwehrraketenbatterie, die folgende Aufgaben erfüllt:

  • Zielentdeckung,
  • Identifizierung und Bedrohungsbewertung,
  • Zielverfolgung und
  • Zielbekämpfung.

Sie ist dazu gerätemäßig und funktionsbezogen in einen Feuerleitbereich und einen Abschussbereich mit zwei Abschussgruppen gegliedert.

 

Der Lenkflugkörper ist eine zweistufige Feststoff-Rakete mit halbaktiver Zielsuchlenkung; er hat trotz seiner Komplexität Munitionscharakter, d. h., die Rakete als Ganzes ist wartungsfrei und wird ohne Oberprüfungen oder Justierungen verschossen.

Ihr Steuerteil erhält Referenz- und Ziel-echo-Signale von dem Beleuchtungsradar, das — nach Aufschaltung auf ein Flugziel — dieses automatisch verfolgt und ständig alle für die weitere Bekämpfung erforderlichen Ziel- und Abfangdaten errechnet. Jede der beiden Abschussgruppen verfügt über ein solches Radar, so dass die Feuereinheit zwei Flugziele gleichzeitig bekämpfen kann.

 

Der Flugkörper wird von seinem Abschussgestell durch ein elektrisches Kommando aus der Feuerleitanlage gestartet. Diese dient der Leitung und Überwachung des Feuerkampfes und der Steuerung aller Aktivitäten in der Batterie. Die Anlage ist Teil des Feuerleitbereiches. Der Mittelpunkt des Feuerleitbereiches ist die Lage- und Auswertezentrale, die gleichsam als Gehirn fungiert und neben einem industriellen Digital-Rechner ein Freund-Feind- Kenngerät enthält.

 

Wesentliche Aufgabe dieser Anlage ist es den. Feuerleitoffizier In der Zielentdeckung, Identifizierung und der Bedrohungsanalyse zu unterstützen. Bei automatischer Betriebsart kann sie den Feuerkampf nach vorprogrammierten Verfahren führen. Sie erhält dazu alle erforderlichen Zielerfassungsdaten durch das CW-Radar und das Impulserfassungsradar, die beide im Gleichlauf ständig den Luftraum nach Flugzielen in niedrigen und mittleren Höhen absuchen. Die Zielwerte für die Bekämpfung liefert das Beleuchtungsradar.

 

Das spezifische Entfernungsmessradar ermittelt die Zielentfernung dann, wenn die Beleuchtungsradargeräte durch elektronische Gegenmaßnahmen gestört werden. Fallen Feuerleitanlagen oder Lage- und Auswertezentrale aus, so steht ein Feuerleitstand zur Verfügung, der normalerweise im Sturmzug eingesetzt wird. Er entspricht technisch und funktionell der Kombination aus Feuerleitanlage und Lage- und Auswertezentrale. Im beweglichen Einsatz oder in besonderen Luftverteidigungsanlagen ermöglicht dieser Feuerleitstand die Teilung der Batterie in zwei taktisch unabhängige Feuerzüge. Der Verbund des Waffensystems und die Datenfernübertragung zwischen übergeordnetem Gefechtsstand und Batterie werden über die Lage- und Auswertezentrale bzw. den Feuerleitstand hergestellt.

 

Neben den genannten Großgeräten gehören nachfolgende zusätzliche Komponenten zur Ausstattung der FlaRak-Batterie:

  • Lagergestelle zur Lagerung und zum Transport der Lenkflugkörper,
  • Ladefahrzeuge zum Be- und Entladen der Lager- und Abschussgestelle,
  • Anlagen zur Stromversorgung der Batterie und Bodendienstgerät für Pflege, Wartung und Instandhaltung des Waffensystems.

Die gegenüber der bisherigen Ausstattung neue Lage- und Auswertezentrale sowie der Feuerleitstand ermöglichen vier Arten des Bekämpfungsablaufes (Modes of Operation). Der "Normale Betrieb" ist das für Improved HAWK vorgesehene Standardverfahren. Überwachung des Luftraumes, Erfassung von Luftflugzielen, Flugzielbeobachtungen, Identifizierung und Bedrohungsanalyse sind Aufgaben des entsprechend programmierten Rechners. Mittels Anzeige von Bedrohungssymbolen auf der Feuerleitkonsole wird der Feuerleitoffizier aufgefordert, die Flugziele zur Bekämpfung anzunehmen oder, wenn andere taktische Entscheidungsgrundlagen vorliegen, zurückzuweisen. Nimmt er an, so sind die weiteren Abläufe — nämlich Überweisung an eine Abschussgruppe, Aufschaltung des Beleuchtungsradars, Treffpunktberechnung und Abschuss des ersten Lenkflugkörpers — wiederum rechnergesteuerte Vorgänge. Der Feuerleitoffizier ist in der Lage, zu jeder Zeit den Bekämpfungsablauf durch ein elektrisches Kommando zu unterbrechen, selbst dann, wenn die Rakete bereits gestartet ist.

Weist der Feuerleitoffizier ein Flugziel zurück, so wird es automatisch aus der weiteren Bewertung durch den Rechner heraus-genommen.

 

Im "Automatischen Betrieb" läuft die Bekämpfung von der Erfassung eines Flugzieles bis zum Start des ersten Lenkflugkörpers rechnergesteuert völlig automatisch ab. Der den Einsatzablauf überwachende Feuerleitoffizier hat auch hier die Möglichkeit, den Ablauf jederzeit zu unterbrechen.

 

Neben diesen beiden Verfahren kann das System auch manuell mit und ohne Rechnerunterstützung betrieben werden.

 

Oberstleutnant i. G. Ulbrich aus Jahrbuch der Luftwaffe, Folge 11