Geschichte der Julius Leber Kaserne in Husum

Die heutige Kasernenanlage entstand auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes Husum, der 1937 auf der alten Graslandefläche mit betonierten Start- und Landebahnen von rund 1.300 bis 1.800 Metern Länge entstand. Dazu mussten rund eine Million Kubikmeter Erdreich bewegt werden. Gearbeitet wurde mit Schaufel und Spaten; Maschinen gab es kaum. Die Arbeiten an den Start- und Landebahnen waren bald soweit abgeschlossen, dass von den Angriffen auf Dänemark und Norwegen zurückkehrende Einsatzflugzeuge dort landen konnten. In Schauendahl enstanden massive Einzelflugzeughallen, die als Vorwärmehallen für die Nachtjäger dienten. Werfthallen und Werkstätten waren etwa in Platzmitte installiert. Die Unterkünfte – Holzbaracken in einer Zweireihen-Anlage – befanden sich dort, wo die heutigen Straßen „Am Gallberg“ und „Am Schulwald“ liegen. Der Flugplatz wurde nach dem 2. Weltkrieg von den Engländern in Besitz genommen und ab 1948 abgerissen. Die Bundeswehr hatte sich viel vorgenommen. So baute man auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes im Husum eine neue Kasernenanlage. 1957 begann man mit dem Bau. Große Probleme galt es zu bewältigen. Richtfest wurde am 16. Mai 1958 gefeiert. Am 01. März 1959 zogen 5 Kompanien des Panzergrenadierbataillons 162 ein. Die Kaserne war jedoch noch nicht fertig. So hatten Handwerker noch Monate zu tun, galt es doch Wassertümpel und aufgewühlte Wege zu beseitigen.


Das Panzergrenadierbataillon 162 lud ein zum Tag der offenen Tür. Ein ehemaliger Angehöriger des Bataillons schrieb: “Unser Bataillon hatte als Wappentier, den Wolfskopf. Diesem Wappentier, bereits vom ersten Kommandeur gekürt, von mehreren seiner Nachfolger z. T. per Befehl verbannt, hielt das Unteroffizierkorps die Treue und führte es durch manche Hintertür solange immer wieder ein , bis es schließlich Anfang der 80er. Jahre im offiziellen Verbands-Abzeichen verewigt wurde. In dieser Anfangszeit gab es noch allerlei Probleme. Jede Kompanie hatte für einen Erkundungstrupp mindestens einen Soldaten abzustellen. Und wie es dann so üblich ist, stellt man natürlich den schlechtesten der Kompanie ab. Einer von ihnen hatte als Taubstummer im zivilen Leben Seife von Tür zu Tür verkauft, und keiner von ihnen hatte einen Beruf ausgeübt. Der Kommandeur kontrollierte diese Gruppe und wurde von den Gruppenangehörigen mit »Guten Morgen, Herr Leutnant« begrüßt. Der Vorgesetzte mußte sofort zu ihm, nachdem ihm jedoch erklärt wurde, wie es zu dieser Gruppe gekommen war, ging er selbst durch die Kompanien, und die besten Soldaten für diese Gruppe wurden ausgesucht. Es wurde dann auch eine wirklich gute Gruppe, die im Bataillon volle Anerkennung fand.
Auch die Versorgung mit Gütern aller Art klappte noch nicht so richtig, so dass in der Ausbildung häufig zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen werden mußte. Im Frühjahr 1959 führte die 2. Kompanie auf dem neben der Julius-Leber-Kaserne liegenden Standortübungsplatz eine Nachtübung durch. Stabsunteroffizier Oppermann war als Führer der Feinddarstellung eingeteilt. Auf seine Frage, wieviel Manövermunition er bekäme, lautete die Antwort: „Keine! Denken Sie sich was aus!“ Was er dann auch tat: Gefechtslärm und feindliches Maschinengewehrfeuer wurden bei Annäherung der Kompanie mit dem Feldeßbesteck im Kochgeschirr hergestellt. Am Freitag, dem 16.2.1962, wurde gegen 17.30 Uhr Alarm ausgelöst. Der schon seit Tagen herrschende Sturm hatte uns viel Regen z.T. vermischt mit Schnee beschert und die ersten Ziegel von den Dächern gerissen, so dass wir die Blöcke nur noch durch die Kellereingänge an den Stirnseiten betreten konnten. An diesem Abend hatte der Sturm noch kräftig zugelegt. In der Kaserne fielen Strom und Telefon aus, und auch die Stadt Husum und Umgehung lagen im Dunkeln. Wir fuhren unsere Unimog 1,5 t vor und verluden Pioniergerät und Schanzzeug. Unser Kompanieoffizier, Leutnant Bulicek, ließ wie bei jedem Alarm auch die zusätzliche Bewaffnung wie Maschinengewehr und Bazooka verladen, obwohl es uns wenig zweckmäßig erschien. „Bei Alarm gehören alle Waffen in die Hand des Soldaten - Punktum!“. So kam es, dass die 3. Kompanie schwer bewaffnet, wenn auch ohne Munition, in den Kampf gegen den »blanken Hans« auszog. Sehr früh bereits erhielt das Bataillon ganz hohen Besuch. Der Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß kam im Herbst 1960 zu uns nach Husum. Dem Bataillon war dieser Besuch zeitgerecht angekündigt worden, so dass es sich bestens vorbereiten konnte. Ganz anders sah es da mit den »Besuchen«, d.h. Dienstaufsichten des Brigadekommandeurs aus. Oberst Neitzel war diesbezüglich für seine Unberechenbarkeit berühmt. Pünktlich um 22.30 Uhr wurde dort Bereitstellungsalarm ausgelöst. Das Interesse galt der 4. Kompanie und dem zur Zeit höchsten Dienstgrad, dem Spieß. Es erfolgte auch die Überprüfung in Form einer Inspektion der Keller und Mannschaftsräume.


Die Kontrolle des ersten Schrankes im ersten Raum gegenüber dem UvD-Zimmer war von Erfolg des Generals gekrönt. Die Tür des Schrankes gab gleich beim ersten Öffnungsversuch verdächtig nach. Beim zweiten Anlauf sprang sie auf. Vor die Füße des Generals fiel, eine Flasche Bier in der Hand haltend, das Sorgenkind des Spießes. Er raffte sich auf, nahm Grundstellung ein und erstattete Meldung: »Herr General, ich melde. Gefreiter von Lathen bei einer kleinen Flasche Bier!« Die restlichen Flaschen standen sichtbar im Kasten auf denn Boden des Schrankes. Leidtragender war der anwesende UvD, Unteroffizier Kruse. »Herr Unteroffizier, wie kommt ein ausgewachsener Soldat in Zivil nach 22.30 Uhr - unbemerkt mit einem Kasten Bier am UvDZimmer vorbei, in seinen Schrank, um betrunken daraus herauszufallen?« Die verdutzten Gesichter der Beteiligten ersparten jede Antwort. Welcher wehrpflichtige Soldat nimmt schon gern an einer Alarmübung teil, wenn er noch fast zwei Stunden Urlaub hat? « “ Namensgebung der Panzergrenadierkaserne erfolgte am 20. Juli 1961 “16. November1891: Julius Leber wird in Biesheim (Elsaß) als Sohn des Maurers Jean Leber und dessen Frau Katharina (geb. Schubetzer) geboren. Als Freiwilliger nimmt Leber am 1. Weltkrieg teil, er wird zweimal verwundet. Zum Leutnant befördert, bleibt er auch nach Kriegsende in der Armee.


31. Januar 1933: Direkt nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten verüben rechte Schläger einen nächtlichen Mordanschlag auf Leber, bei dem einer der Angreifer von Reichsbannerangehörigen getötet wird. 23. März: Nach seiner Wiederwahl in den Reichstag wird Leber vor Betreten der Krolloper verhaftet, um seine Teilnahme an der Abstimmung über das Ermächtigungsgesetz zu verhindern. Leber verbringt 20 Monate im Gefängnis und ist danach als „gefährlicher Gegner des Regimes“ im Konzentrationslager (KZ) Sachsenhausen inhaftiert. 1943 setzt sich Leber für eine breite Widerstandsbewegung ein und entwickelt engen Kontakt zu Carl Friedrich Goerdeler und zum Kreisauer Kreis um Helmuth James Graf von Moltke.


Am 5. Juli 1943 verhaftet die Geheime Staatspolizei (Gestapo) Leber. 20. Oktober: Der Volksgerichtshof verurteilt Leber zum Tode. 5. Januar 1945: Nach über zwei Monaten weiterer Verhöre und Mißhandlungen wird Julius Leber in Berlin-Plötzensee hingerichtet.” Bereits nach viereinhalb Jahren verlegte das Panzergrenadierbataillon am 11. November 1963 nach Hamburg-Wentorf. Am Tage zuvor verabschiedete es sich mit einem Großen Zapfenstreich auf dem Marktplatz von der Husumer Bevölkerung. An seiner Stelle übernahm das seit Dezember 1962 in Westerland und Eggebek in der Aufstellung befindliche Luftwaffenversorgungsregiment 7 (LwVersRgt 7) die Kasernenanlage. Der Regimentsstab und einige Einheiten des Verbandes hatten bereits im Juni 1963 nach Husum verlegt. Der Verband gliederte sich damals in den Regimentsstab und zwei Gruppen. Stab/LwVersRgt 7 und II./LwVersRgt 7 waren in Husum angesiedelt, I./LwVersRgt 7 war auf dem Fliegerhorst in Westerland/Sylt stationiert. Am 24. April 1965 erhielt der Verband im Dante – Stadion (München) durch den Bundesminister der Verteidigung seine Truppenfahne.

Zu den Aufgaben des Verbandes zählten Instandsetzungs-, Nachschub- und Transportleistungen zur Unterstützung der Luftwaffeneinheiten und der fliegenden Verbände von Marine und Heer im Raum Schleswig-Holstein. Hierzu stellte das Regiment mehrere Materiallager bzw. Depots auf, in denen die unterschiedlichsten Versorgungsartikel bevorratet wurden, die für die Einsatzbereitschaft der Truppe erforderlich waren. Ferner gehörte die Schießplatzstaffel Sylt zum Regiment. Sie überwachte den Flugbetrieb auf dem Flugplatz Westerland und koordinierte den Übungsschießbetrieb der fliegenden Verbände (Luft-Luft) über See und (Luft-Boden) auf dem Schießplatz am Ellenbogen der Insel Sylt.
Bereits Mitte des Jahres 1964 nahm die Flugbereichszentrale 4 (Eider Control) in der Julius- Leber- Kaserne ihren Kontrollbetrieb auf. Am 01. Sept. 1976 wurde die Halle 39 in der Julius-Leber-Kaserne mit ihren Räumlichkeiten für die Ausbildungswerkstatt vorgesehen. Damit konnte die neu gegründete Ausbildungswerkstatt ihren Betrieb aufnehmen. Fluggerätmechaniker, Kommunikationselektroniker, und früher Kfz Mechaniker wurden und werden ausgebildet. 120 Ausbildungsplätze stehen zur Verfügung. Am 8. September 1993 trafen zwei Ereignisse zusammen: Das LwVersRgt 7 feierte seinen 30sten Geburtstag, gleichzeitig seinen letzten als Regiment. „Mit Ablauf des 31. März 1994 geht das LwVersRgt 7 in das LwVersBtl 7 über mit gleichzeitigem Unterstellungswechsel unter das LwVersRgt 5 in Trollenhagen.“


Mit diesen Worten vollzog der Inspekteur der Luftwaffe, GenLt Kuebarth am 22. März 1994 im Rahmen eines feierlichen Appells eine schon lange angekündigte Organisationsmaßnahme im Rahmen der Luftwaffenstruktur 4. Es waren bewegte Zeiten, denn die Bundeswehr unterlag einem starken Wandel. Krisenreaktionskräfte sollten aufgebaut und einsatzfähig werden.
Das junge Bataillon trauerte nicht lange um seinen Statusverlust, sondern stellte sich neuen Aufgaben. Schon 1992 war der Auftrag ergangen, Konzepte für den Transport, Einsatz und Betrieb eines Feldlagers zu erarbeiten. 1993 hatte man im Rahmen einer logistischen Einsatzübung (LEU) der Bundeswehrführung erste Ergebnisse vorgestellt, die zur Weiterverfolgung dieses Auftrags im LwVersBtl 7 führten. Im Herbst 1994 fand auf dem Standortübungsplatz eine Winterübung statt. Erstmals waren Soldaten in einem vom Verband errichteten Feldlager untergebracht, die Übung war ein Erfolg. Vom ersten großen Feldlager in Schauendahl über Feldlager für 1500 Personen bis zum Krisenreaktionsauftrag - Unterstützung von Auslandseinsätzen der Lw oder anderer Organisationsbereiche war ein weiter, aber erfolgreicher Weg. Die personelle und materielle Entwicklung der letzten Jahre ist enorm, der Verband ist heute stärker als das frühere Regiment. Mit dem KR-Auftrag, verbunden mit der Stationierung des verlegefähigen Luftwaffenrettungszentrums in der Julius-Leber-Kaserne, hatte das Bataillon an Stellenwert gewonnen. Anfang 2001 während eines Auslandseinsatzes spitzte sich die Lage im bisher friedlichen Mazedonien zu. Rebellen und mazedonische Kräfte lieferten sich heftige Gefechte. Auch im Feldlager in Tetovo gab es Einschläge. Zum Glück wurde niemand verletzt. Um der Gefahr zu entgehen, verlegten die Quartiermeister mit großem Aufwand weite Teile des Lagers auf den nahe gelegenen Berg Erebino und in den Kosovo nach Prizren.
Am 28.August 2003 verabschiedet sich das LwVersBtl 7 mit einem großen Appell von der Stadt Husum und den umliegenden Verbänden. Mit der Übergabe des Fahnenbandes an den damaligen Vorsitzenden der Traditionsgemeinschaft LwVersRgt7/LwVersBtl7 Herrn Wolf-Dieter Horst verabschiedet sich der 40 jährige LwVersVerband und findet in der Traditionsgemeinschaft eine bleibende Erinnerung. Ein Großteil der Soldaten wechselte in die neu aufgestellten Bataillone, wie Spezialpionierbataillon 164 (SpezPiBtl 164) und Logistikbataillon 162 (LogBtl 162).

Autor: Peter Wilcke

Der Beitrag ist der Broschüre “300 Jahre Garnisonsstadt Husum - 50 Jahre Bundeswehrstandort” entnommen.

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Kommentar von Christian Strohmeyer | 26.02.2013

In diesem Artikel zur Julius-Leber-Kaserne fehlt die 3 Kompanie Nachschubbataillon6!!!

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