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Ausbildung mit dem Zielsimulator im Waffensystem HAWK

29.04.2009 22:27 von Jens Joel (Kommentare: 0)

Truppenpraxis, Heft 2, 1969

Bei dem Flugabwehrraktensystem HAWK handelt es sich um eine aus mehreren Großgeräten bestehende Anlage. Um diese als Ganzes wirken zu lassen, und die gegebenen Möglichkeiten voll auszuschöpfen, braucht man Personal, welches in der Lage ist, auftretende Schwierigkeiten und Störungen zu erkennen und die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten. Man kann dieser Forderung nur gerecht werden, wenn eine gründliche Ausbildung voranging und im Anschluss daran die erworbenen Kenntnisse durch intensive Praxis vertieft werden. Hierzu steht ein Simulator zur Verfügung, der in das Waffensystem integriert wird.
Ich möchte nun neben der Vorschrift einen Weg zeigen, wie man durch kleine technische Hilfsmittel die begrenzte Ausbildungszeit mit dem Zielsimulator AN/ TPQ - 21 für die Kampfbesatzung wirkungsvoller ausnutzen kann.

Grundbedingung für die Ausbildung und auch für Überprüfung wie z.B. Einsatzbereitschaftsüberprüfungen („Operal Readiness Evaluation" = ORE), Kampfführungsüberprüfungen („Combat Response Test" = CRT), Abschussphase und Zielüberweisung („Firing Phase" = FiPh, „Target Transfer" = TT), ist die realistische Darstellung einer Luftlage auf den Sichtgerät („Scope") des Feuerleitoffiziers (TCO) sowie auf beiden Schießpulten in der Feuerleitanlage (BCC). Dies setzt einerseits ein gut durchdachtes Programm (s. auch „Hinweis für die Ausbildung" Nr. 378/HAWK - 67), andererseits einen kontinuierlichen Ablauf desselben bei realistischem Flugverhalten der Ziele voraus.

Da man die erste Forderung stets als gegeben annehmen darf, können wir sie hier ausklammern und wollen nur die technische Seite ins Auge fassen. Hierbei setzen einerseits die Anzahl von Zielpositionsgeneratoren (selbst wenn die Einsatzbereitschaft des Zielsimulators gegeben ist), andererseits die beiden Forderungen, die der Leiter der Prüfung und Auswertegruppe („Chief - Evaluator") an das Zielsimulatorpersonal stellt, Grenzen:
a) Die Programmierung der Flüge hat schneller zu erfolgen als deren Abruf;
b) die Flüge sollen eine taktische Aufgabe enthalten. Um diese darzustellen, müssen Flugrichtung, Geschwindigkeit und Kursänderung der Ziele entsprechend einem vorher berechneten Programm erfolgen.


Wird z.B. die im Punkt a) angesprochene Forderung nicht erfüllt, so treten Unterbrechungen auf, welche einen Abfall der Konzentration bei der Kampfbestzung verursachen. Es werden sich dann - dies hat die Praxis gezeigt - nur zu leicht bei ihr kleine Fehler einschleichen, die wiederum eine gewisse Nervosität hervorrufen. Selbst gut ausgebildete Kampfbesatzungen zeigten dieses Symptom, und manch gut angefangener CRT ging dann „in die Binsen".

Wird dagegen im Punkt b) etwas falsch programmiert, so ist meistens der Überprüfungsteil hinfällig. Der Prüfer bzw. Ausbilder hat keine Möglichkeit mehr, die taktischen Entscheidungen des Feuerleiteroffiziers sowie das Handeln seines Gehilfen (TCA), der Schießpultbediener und des Tischpultbedieners sicher zu beurteilen. Eine objektive Bewertung des Ausbildungsstandes ist nicht mehr möglich. Um diese Fehlerquellen von Seiten des Überprüfungspersonals auszuschalten, arbeitete die Schießtechnische Prüf- und Auswertegruppe unseres Regiments folgende Hilfsmittel aus und erprobte sie in der Praxis mit gutem Erfolg:

  • Programmierungsübersicht
  • Programmierungsscheiben
  • Flugdatenkarte (ähnlich einer Zielwegschablone)
  • Flugnummeranzeige
  • Zielstörungsanzeige.

1. Programmierungsübersicht (Abb. 1)


ProgrammierungsübersichtDiese ist ein selbstgefertigtes Formblatt, in dem die 12 Zielflüge für ein Programm untereinander und die zugehörigen Programmierungsdaten nebeneinander aufgeführt sind. Am rechten Rand der Übersicht ist pro Zielflug ein Bildschirm angedeutet, der dem Bediener des Zielsimulators über Ausgangslage und Kurs Aufschluss gibt.

2. Programmierungsscheibe (Abb. 2)

ProgrammierungsscheibeSie enthält alle Daten der Ziele, die von den Programmierern eingestellt werden müssen. Die Programmierungsscheibe hat einen Durchmesser von etwa 250 mm und kann aus Holz, Kunststoff, Hartfaserplatte oder dgl. leicht hergestellt werden. Auf diese Unterlage wird eine gleichgroße Papierscheibe (Zeicehnkarton) gelegt, die in 12 Segmente (1 je Ziel) aufgeteilt ist. Die Segmente teilt man durch 12 konzentrische Kreise, mit jeweils 10 mm Abstand, in Datenfelder auf. In diese werden die Daten der Programmierungsübersicht übertragen. Darüber legt man eine gleich große Plexiglasplatte (z.B. aus Abfall eines Seitenteils LKW 0,25 t gl), klebt darunter eine wie oben beschriebene Papierscheibe, bei der jedoch ein Segment ausgespart ist und beschriftet sie mit der Legende (Kurs, Geschwindigkeit, Höhe usw.). Durch alle dieser Teile bohrt man in der Mitte ein Loch und hält sie mit Hilfe einer M - 4 - Schraube und Flügelmutter zusammen. Auf diese Weise kann man bei den Übungen die Datenscheibe schnell weiterdrehen bzw. auswechseln!


Die bei dem beschriebenen Prototyp gewählte 12er - Aufteilung macht es möglich, einen kompletten „Combat Response Test" ohne Unterbrechung ablaufen lassen. (Für reine Ausbildungsvorhaben kann man ohne Schwierigkeiten Daten auch für mehr als 12 Ziele auf der Scheibe unterbringen; dazu müssen die Segmente entsprechend verkleinert werden.)

3. Flugdatenkarte (Abb. 3)

FlugdatenkarteDie Flugdatenkarten ermöglichen dem Leiter der Prüf- und Auswertegruppe die Zielauswahl während eines CRT. Mit ihrer Hilfe kann er nämlich Ziele anfordern und den Ablauf der Überprüfung, je nach den Erfordernissen und den Reaktionen der Bedienung, steuern.
Die Karte ist etwa 90 X 140 mm groß und gibt im linken Teil Auskunft über die wichtigsten Zieldaten (Entfernung, Kurs, Geschwindigkeit, Höhe usw.). Auf der rechten Seite der Karte ist ein Bildschirm, der alle Ziele mir ihren Kursen enthält. Damit wird dem Auswerter das Auffinden der Ziele erleichtert, denn durch die Skizze ist ihm bekannt, an welchen Stellen des Bildschirmes die Ziele auftauchen und wie sie sich verhalten werden. Die Karte erlaubt ihm also, sich intensiver der Ausbildung oder der Überprüfung der Bedienung zu widmen.

4. Flugnummernanzeige (Abb. 4 a/b)

handelsübliche Halteklammern aus MetallAuf handelsübliche Halteklammern aus Metall, sog. Clips (Abb. 4 a), werden Kunststoffplättchen geklebt, die mit den Zielnummern beschriftet sind. Verschiedenartige Plättchen kennzeichnen die Ziele für „Target Transfer", „Firing Phase" und „Canbat Response Test".

Anwendung und Beispiel eines Ausbildungs- bzw. Überprüfungsprogramms

Die Zielsimulatorbedienung wird von 4 Soldaten gebildet:

  • Gruppenführer
  • Bediener 1
  • Bediener 2
  • Bediener 3.

HilfsmittelDer Gruppenführer, der in ständiger Sprechverbindung mit dem Leiter der Ausbildung oder Überprüfung steht, überwacht die Einstellung mit Hilfe der Programmierungsübersicht, gibt die Flüge auf Abruf frei und steuert die Freund/Feind - Kennung (IFF), Versager (DUD/"Hang fire") bzw. die Treffwahrscheinlichkeit („Probality of Kill"). Bediener 1 und 2 programmieren an Hand der Programmierungsscheibe die Zielpositionsgeneratoren und kennzeichnen die Einschübe mit Flugnummern.


Alle vorstehend angeführten Hilfsmittel sollen den in der Ausbildung und Überprüfung von Kampfbesatzungen im Flugabwehrraketensystem HAWK eingesetzten Soldaten eine Erleichterung sein, um mit dem Zielsimulator die notwendigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln bzw. nachzuweisen.

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