Dies & Das

Die Sicherungsgruppe in einer FlaRaketen – Batterie

27.04.2007 19:18 von Jens Joel (Kommentare: 0)

Der Aufbau unserer Flugabwehrraketen

Truppenpraxis, Heft 4, April 1967

Der Postenturm vor der Abschussstellung einer Nike-BatterieDer Aufbau unserer Flugabwehrraketen - Einheiten „Nike" und „Hawk" unterscheidet sich im Grundsätzlichen nicht voneinander; es gibt einen Feuerleitbereich einen Abschussbereich und einen Unterkunftsbereich.
Vorwiegend für den Abschussbereich steht innerhalb der Batterie eine je nach Geländebeschaffenheit verschieden starke Sicherungstruppe zur Verfügung, in Aufbau, Ausbildung und Einsatzbedingungen mehr oder weniger gleich den entsprechenden Sicherungseinheiten der Fliegenden Geschwader oder der Flugkörperverbände. Ähnlich aber sind alle diese Sicherungseinheiten auch hinsichtlich einiger Probleme, die sich aus einer nicht zu leugnenden Eintönigkeit des Dienstes für dessen Gestaltung in einem positiven Sinne und für die Freizeit des Soldaten stellen.

Zunächst ber sei hier umrissen, welche Aufgaben die Sicherungstruppe einer Fla - Raketenbatterie hat. - Ohne allzusehr zu vereinfachen, kann man sie wohl in drei Punkten zusammenfassen:


  1. Absicherung des Abschussbereichs gegen Ausspähung, Sabotage- oder Spionageversuche und schließlich gegen Angriffe auf dem Boden; zugleich Kontrolle und Regelung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb des Sperrbereichs und in ihn hinein;
  2. Begrenzte Verteidigung des Abschussbereichs gegen Luftangriffe (etwa der „Fliegerabwehr aller Truppen" gleichzusetzen), verbunden mit Luftraumbeobachtung und Luftwarndienst;
  3. Sicherung und Durchführung von Transporten für die Batterie.
    Auf den ersten Blick scheinen dies ganz interessante zu sein, vor allem wenn man bedenkt; dass verschiedene Aufgaben allgemein - militärischer Art, wie für alle Einheiten der Luftwaffe, noch hinzukommen, z.B. ABC - Abwehr, Sportausbildung usw. In der Praxis jedoch überwiegen eben die reinen Wachaufgaben, und was es heißt, als Wehrpflichtiger 15 Monate lang jeden drittenTag auf Wache zu ziehen, kann derjenige beurteilen, der eine solche Zeit bereits hinter sich gebracht hat.

Diensteinteilung und Freizeit der Soldaten

Arbeit an einer HAWK-Rakete im AbschussbereichUm diesen Dienst in der Sicherungstruppe insgesamt doch einigermaßen interessant zu gestalten, muss man versuchen, ihn so einzuteilen, dass einerseits natürlich aber Auftrag erfüllt, d.h. eine ausreichende Bewachung des Abschussbereiches und eine zufriedenstellende Ausbildung der Wachsoldaten hierfür sichergestellt, zum anderen aber dem Soldaten selbst genügend Freizeit und Urlaub gewährleistet ist.

Geht man dabei von der Voraussetzung aus, dass der Batterie für die Sicherungstruppe soviel Soldaten zur Verfügung stehen, dass - einschließlich einer Toleranz von 10 - 20% für Kranke, Urlauber, Lehrgänge und dgl. - die notwendige Tageswachstärke dreifach vorhanden ist, so erreicht jeder Soldat bei einem Ablöserhythmus in drei Wochen insgesamt 200 Wach- bzw. Dienststunden oder 66,6 Stunden je Woche.

Zum Ausgleich hat er ein kurzes und ein langes freies Wochenende und einige freie Vor- und Nachmittage. Für alle in der Nähe des Batteriestandortes beheimateten Soldaten ist dies keine unglückliche Lösung, solange ihnen gestattet ist, ggf. auch über Nacht zu Hause zu bleiben, wenn z.B. zwischen zwei Wachdiensten 24 Stunden Freizeit liegen. Es neigen denn auch die meisten Soldaten dazu, möglichst oft nach Hause oder zu Bekannten zu fahrenoder sie gestalten sich, sollte dies nicht möglich sein, die vor ihnen liegende freie Zeit nach einigen Vostellungen. So fühlen sie sich, wie man immer wieder festellen kann, wohler, als wenn sie - durch welche Anregungen auch immer - „gedrängelt" würden. Darüber weiter unten mehr.

Wachdienst und Ausbildung

Innerhalb des Turnus von 3 Wochen zieht also der Soldat der Sicherungstruppe wie eben erwähnt, 7 Tage auf Wache - eine beachtliche Zeit, noch dazu wenn man erfährt, dass er darüber hinaus in dem gleichen Zeitabschnitt an 4 Tagen Tagesdienst hat, d.h. nur an diesen 4 Tagen Ausbildung betreiben kann.

So ist es selbstverständlich, dass der verantwortungsbewusste Vorgesetzte auch die 7 Wachtage mir zur Ausbildung heranzieht und dabei stellungsgebundene Aufgaben durchführen lässt. Was bietet sich mehr an, als mit dem Wachdienst gekoppelte Aufgaben bzw. Sonderaufgaben immer wieder zu üben, bis jeder Angehörige der Sicherungstruppe sie, auch nachts, wirklich beherrscht. Dazu gehören:


  • Sabotageabwehr,
    durchgeführt von Soldaten der Freiwache, die in wenigen Minuten nach Alarmierung durch einen Posten gefechtsmäßig jeden beliebigen Punkt des Abschussbereichs erreichen müssen;
  • Wachverstärkung,
    ebenfalls durch Soldaten der Freiwache, die in relativ kurzer Zeit jeden beliebigen Punkt auch außerhalb des Abschussbereichs erreichen und eine Gefahrensituation unter Kontrolle bringen müssen;
  • Personenkontrolle und Festnahme,
    Übungseinlagen, vor allem nach dem „Gesetz über die Anwendung unmittelbaren Zwanges".

Dies sind nur einige aus der Vielzahl der Übungsaufgaben, die sich während des Wachdienstes in der wachfreien Zeit durchführen lassen und die Ausbildung sinnvoll ergänzen, ohne die Soldaten über Gebühr zu belasten.

Darüber hinaus lasst sich auch Unterricht, vor allem der über staatsbürgerliche Fragen („Wofür wir dienen"), gut in diese Zeit verlegen, beseonders wenn sich in den Bereitschaftsräumen Rundfunk- und Fernsehgeräte zur praktischen Veranschaulichung des Unterrichtsstoffs (Bundestagsdebatten u.ä.) befinden. Gleichzeitig werden dadurch einige Untugenden, wie das stumpfsinnige Herumsitzen in den Wachräumen, endlose Skatspiele und die „Jerry - Cotton - Romane" aus dem Wachdienst etwas verdrängt, und das bei den Soldaten nicht so schnell das aufkommende Gefühl des „Gammelns" wird zwar nicht gänzlich ausgeschaltet, aber doch vermindert werden können.

Die Ausbildung - Tagesdienst

In den nur vier innerhalb drei Wochen angesetzen Ausbildungstagen fallen dann natürlich eine Menge Aufgaben an, denn alle Ausbildungsaufgaben müssen letztlich in dieser Zeit gemeistert werden. Auch hier muss ein ausgeklügelter Dienstplan alle Möglichkeiten peinlich genau auszuschöpfen suchen, um den Ausbildungsdienst erfolgreich zu gestalten.
Eine wesentlich Voraussetzung dieses Erfolgs ist allerdings, dass man es versteht, den Soldaten der Sicherungstruppe die Überzeugung zu vermitteln, dass sie hier eine gleich wichtige Aufgabe wahrzunehmen haben wie die übrigen Soldaten der Einheit, ob diese nun an den Radargeräten oder an den Raketen ihren Dienst verrichten.

Um eine solche Überzeugnung um ein weiteres zu festigen, sollte man, z.B. die Routineaufgaben der Sicherungstruppe ebenso wie in den anderen Bereichen in tägliche, wöchentliche und monatliche Überprüfungen zusammenfassen. Ferner sollte das Üben der Marschsicherung genauso zum Normalprogramm gehören wie die Ausbildung in der „Fliegerabwehr aller Truppen" - mit dem Scheißen in Todendorf.

Erst danach wären weitere Spezialaufgaben in Angriff zu nehmen, Spezialaufgaben, die für die Sicherungstrupe charakteristisch sind, von den anderen Soldaten der Batterie aber nicht wahrgenommen werden können, seien es - im Rahmen der Schießausbildung - Handgranatenwerfen, Panzerfaustschießen und Panzernahbekämpfung, seien es - im Zuge der Sportausbildung - Training und Prüfung zur Erlangung des DLRG - Grundscheins oder des Sportabzeichens, um nur einige Beispiele zu nennen.

Legt man diese Ausbildung so an, dass Soldaten aus den anderen Bereichen der Batterie nur vereinzelt daran teilnehmen können - ausgesucht nicht nach der Abkömmlichkeit, sondern als Belohnung für gute Dienstleistungen - so hebt man damit gleichzeitig das Ansehen der Sicherungstruppe und fördert sowohl den Ehrgeiz wie das Zusammengehörigkeitsgefühl innerhalb der ganzen Batterie.

Voraussetzung für diese Art, die Ausbildung zu betreiben, ist allerdings, dass der Batteriechef über einen militärisch durchgebildeten, intelligenten und einfallsreichen Zugführer für die Sicherungstruppe verfügt, über einen Mann, der die nötige Initiative und Wendigkeit mitbringt, um diese Aufgabe richtig anzupacken und zu leiten. Ihm zur Seite müssen qualifizierte Unteroffiziere stehen, die auf ihrem Fachgebiet gleich gründliche Fachkenntnisse besitzen wie die FlaRak - Unteroffiziere an ihren Geräten. Auch hier gilt die schon anderwärts genügend erhärtete Erfahrung: An solche Stellen in überwiegender Zahl oder gar ausschließlich abqualifizierte Wartungsunteroffiziere als Gruppenführer einzusetzen, ist keinesfalls eine günstige Voraussetzung für das Erhalten einer gut durchgebildeten Sicherungstruppe!

Betreuung und Freizeit

Ein Zug der Sicherungstruppe auf einer Wehrbetreuungsfahrt nach der Besichtigung eines Opel-WerkesAuf diesen Punkt sei gerade im Interesse der Sicherungstruppe noch einmal besonders eingegangen. Die Grenzen, die der Freizeitgestaltung und Betreuung durch die Verhältnisse bei den meisten FlaRak - Batterien gesetzt sind, wurden bereits (s. S. 286) eingehend geschildert. Im Blick auf diese Verhältnisse, denen natürlich auch die Sicherungstruppe unterliegt, bedarf jede Art von Betreuung der Soldaten - trotzdem oder geradedrum - guter Überlegung und Vorbereitung.
So lassen sich z.B. Betreuungsfahrten während der Dienstzeit, sowie Mittel und Zeit dafür vorhanden sind, relativ einfach durchführen. Lohnende Ziele - auch andere als Brauereien - sind immer zu finden, und meist ist unter den Soldaten einer, der die Vorbereitung gern übernimmt (unter Umständen kann dazu recht gut ein Abiturient hinzugezogen werden, der die Vorarbeiten, besonders in Bezug auf den Schriftverkehr mit Firmen, Museen usw. übernimmt).
Die Betreuung während der Freizeit hingegen ist, wie schon erwähnt, wesentlich schwieriger. Die Erfahrung zeigt immer wieder: Überlässt der Vorgesetzte die Initiative und die Durchführung eines erfolgversprechenden Projekts z.B. einem jungen Unteroffizier oderauch einem Mannschaftsdienstgrad und bleibt er im übrigen fördernd im Hintergrund, so können sich durchaus gute Erfolge einstellen. Aber auch dann muss ein erfahrener und ideenreicher Zugführer vorhanden sein, der etwas Mehrarbeit im Interesse dieser Aufgabe nicht scheut und sich geeignete Soldaten zu (im übrigen selbstständigen) Mitarbeit heranzuziehen versteht.

Anregung und Diskussion

Mit diesen Ausführungen ist das Thema, wie der Dienst in der Sicherungstruppe einer FlaRak - Batterie positiv gestaltet werden kann, keineswegs erschöpft. Jede Einheit wird ihre eigenen Methoden entwickelt und die eine oder andere hier nur angerissenen Ideen längst verwirklicht haben. Jede wird versuchen, eine möglichst glückliche Lösung zu finden. Ideenreichtum der Offiziere und Unterführer, Initiative und Durchhaltevermögen auch bei ersten Fehlschlägen sind noch immer eine gute Grundlage des Dienstes und auch der Freizeit.

Solange die Sicherungstruppe gleichrechtigt neben den anderen Zügen einer FlaRak - Batterie steht, nicht zum Sammelbecken für disziplinlose Soldaten wird und solange ihr eine glaubhafte Aufgabe gestellt ist, wird sich jeder Soldat willig einordnen und seinen Dienst gern erfüllen.

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