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Flugabwehr-Staffel verläßt Nordfriesland

06.06.2008 16:15 von Jens Joel (Kommentare: 0)

HUSUM (blu). 22 Jahre lang waren sie aus Nordfriesland nicht wegzudenken. Seit 1968 gehörte die 1. Staffel des Flugabwehrraketen-Geschwaders 38 zum Standort Husum mit Einsatzstellung in Hude. Gestern standen nun etwa 80 Soldaten in der Julius-Leber-Kaserne bereit zum Verabschiedungsappell.

„Im Rahmen eines neuen Flugabwehrraketen-Konzeptes wird die Staffel mit einem verbesserten Waffensystem die Luftverteidigung in Bereichen von Hessen übernehmen", kündigte Kasernenkommandant Oberstleutnant Peter Krause an. Trotz der sich anbahnenden „totalen Entspannung" sei die Luftverteidigung ein wesentlicher Bestandteil souveräner Staaten, deshalb werde auch diese Staffel verlegt.

„Damit wird immer persönliches Schicksal verbunden", stellte Peter Krause heraus, bekräftigte aber den Willen des „Dienstherren", die Härten für jeden einzelnen zu lindern.

„Mitverlegt" wird Staffelchef Major Manfred Faude. Er rief die vergangenen 22 Jahre in Erinnerung. Rund um die Uhr hatten die Soldaten im Schichtwechsel Dienst. Einmal jährlich wurden sie von der Nato überprüft. Schießübungen im Mittelmeer gehörten ebenso zur Ausbildung wie die Übungen bei „voller Beweglichkeit" des Systems.

Im Anfangsjahr der Staffel, habe man die Niederschlagung des Prager Frühlings mitverfolgt. Vor dem Hintergrund der neuesten politischen Entwicklungen „heißt es nun Abschied nehmen vom vielgeliebten, aber auch vielgehaßten Schichtdienst", betonte Manfred Faude. Die hohen Bereitschaftsstufen würden heruntergefahren. Allgemein werde auch eine Personalreduzierung erwartet.

„Jeder Abschied ist schmerzhaft"., sagte Major Faude, so hätten viele Soldaten in den 22 Jahren private Bindungen aufgebaut. „Nur wenn alle zusammenhalten und in Team-Arbeit mitwirken", betonte er, „kann man diesen Wechsel überwinden."

Abschließend nahm Major Faude „als letzten Akt" zwei erfreuliche Amtshandlungen war. Die Obergefreiten Volker Marohn und Michel Reiser wurden zum Unteroffizier befördert. Und Obergefreiter Torsten Bahr erhielt aufgrund seiner besonderen Leistungen eine Ehrenmedaille der Bundeswehr.

Westlich von Kassel, in Arolsen, liegt für die Soldaten der neue Standort. Nach Husum kommen dafür die 3. und 4. Staffel des Flarak/Geschwaders 26. Geplant war diese Verlegung bereits Anfang der 80er Jahre im Rahmen einer Umstrukturierung im Konzept der Luftverteidigung, zu dem es noch keine Alternative gäbe. Oberstleutnant Peter Krause: „Sie dient der Erhaltung der politischen Stabilität."

Abmarschbereit: Die 1. Staffel des Flugabwehrraketen/Geschwaders 38 in der Julius-Leber-Kaserne Husum.

Abmarschbereit: Die 1. Staffel des Flugabwehrraketen/Geschwaders 38 in der Julius-Leber-Kaserne Husum.


Foto: Gehm

Zeitungsartikel 1990

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