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Gedanken zur Sicherung einer HAWK – Einsatzstellung

04.05.2007 12:23 von Jens Joel (Kommentare: 0)

Truppenpraxis, Heft 10, 1969

HAWK LFKDas Bild des modernen Soldaten ist in zunehmenden Maße von der Technik geprägt. Immer kompliziertere Waffensysteme müssen von ihm bedient, gewartet und einsatzbereit gehalten werden. Das trifft ganz besonders für den Soldaten der Luftwaffe zu, dessen bemannte und unbemannte Kampfmittel ein besonderes Maß an technischen Kenntnissen verlangen. Trotz der Betonung technischer Fähigkeiten und betriebswirtschaftlicher Arbeitsweisen sah und sieht sich dieser moderene Soldat - schon im letzten Kriege, mehr noch im Korea - Krieg und Vietnam - Konflikt - überraschend auftretenden Krisenlagen gegenübergestellt, die ihm zur Selbstverteidigung und zum Schutze seiner wertvollen Geräte die Waffe des Einzelkämpfers in die Hand zwingen.


Meist genügt dann nicht der Einsatz von „Sicherungszügen" oder anderen Unterstützungseinheiten, sondern muss jeder Soldat, also auch jeder Techniker, muss zur Selbstverteidigung willens und fähig sein. Die HDv 100/1 „Truppenführung" sagt in Nr 258 zu diesem Thema,  „... dass im beweglich geführten Gefecht jede Truppe sowohl auf dem Gefechtsfeld als auch in rückwärtigen Gebieten ständig durch den Feind bedroht ist. Mit Angriff durch Luftstreitkräfte und Luftlandetruppen, durch Kommandotrupp und Banden ist jederzeit zu rechnen. Daher muss sich jede Truppe überall und immer sichern." Diese Auffassung scheint im Gegensatz zu den tatsächlichen Erfordernissen und Möglichkeiten zu stehen; denn in der Bundeswehr berühren rund 48% aller Tätigkeiten den technisch - handwerklichen, 24% den nichttechnischen und nur 28% den rein militärischen Bereich. Bei der Luftwaffe ist diese Aufteilung sehr unterschiedlich, im Durchschnitt sind jedoch nur 5% der Tätigkeiten rein militärischer Art. Diese Betrachtungsweise sollte jedoch nicht dazu führen, die militärisch - soldatische Komponente zu vernachlässigen. Die Erfahrung aus den begrenzten Kriegen der jüngsten Vergangenheit haben die Anfälligkeit technischer Spezialisten gegenüber im Erdkampf erfahrenen und kampfwilligen Soldaten deutlich gemacht.


In der Luftwaffe darf also keineswegs versäumt werden, die Sicherung von Luftwaffenanlagen zu betreiben. Sie muss zunächst ein spezielles Fachgebiet geeigneter Soldaten werden, darüber hinaus aber muss jeder Soldat mit den Bedienungen dieser Art des Erdkampfes und dem Einsatz von Handfeuerwaffen vertraut sein.
Drei Vorgänge des vorigen Jahres werfen helle Schlaglichter auf dieses Problem:

  • die Aufbringung der „Pueblo" von Nordkorea,
  • der Überfall auf das Munitionsdepot in Lebach und
  • die nächtliche Luftlandung sowjetischer Streitkräfte am 21.8.1968 in der CSSR.


Der erste Fall, aus der Ferne schwer zu deuten, erklärt sich vermutlich als eine Vernachlässigung der elementarsten Sicherung, lässt aber auch Zweifel am Kampfeswillen der Besatzung aufkommen. Im zweiten Fall kann wegen der noch laufenden Ermittlungen Endgültiges noch nicht gesagt werden. Sovie scheint aber festzustehen: Die Sicherung und Bewachung waren unzureichend, und die Bestimmungen für den Waffengebrauch geben keine Gewähr für die Sicherheitt und Bundeswehr und ihrer Anlagen. Im dritten Fall schließlich wurde beispielhaft aufgezeigt, wie durch Luftlandung auf Flugplätzen Invasionen unterstützt und beschleunigt werden können. Ein kampfwilliger und gut ausgebildeter Luftwaffenverband kann durch nachdrückliche Sicherung seiner Anlagen entscheidend zur Verhinderung oder Verzögerung solcher Aktionen beitragen. In diesem Artikel möchte ich nun auf eine spezielle Sicherungsaufgabe eingehen, die Sicherung einer Flugabwehrraktenstellung HAWK. Dabei sollte besonders betrachtet werden, dass mit dem Einsatz von HAWK - Batterien auch in der Kampfzone zu rechnen ist, dass sie damit in unmittelbarer Verbindung mit dem Heere kämpfen und dass ihr taktisches Verhalten bei Marsch, Stellungserkundung, Instellungsgehen, Stellungswechsel und bei der Gefechtssicherung sich weitgehend von anderen Verbänden geführter Kampf gegen den Luftfeind macht sie jedoch andererseits zu einem integrierten Bestandteil der Luftwaffe im Rahmen der Luftverteidigung.


Zur Sicherung ihrer Einsatzstellung muss sie sich jedoch den besonderen Gegebenheiten der frontnahen Lage anpassen. Zunächst befindet sich die Batterie zwar in ausgebauten Stellungen des „HAWK - Riegels", kämpft aber im Verlauf eines Krieges auch aus Feldstellungen, die ohne umfangreiche Vorbereitung bezogen werden können. Sie hat zur Erfüllung ihreres Luftverteidigungsauftrages immer den zusätzlichen Auftrag, Truppe und Waffensystem vor überraschenden Angriffen auf der Erde und aus der Luft zu sichern. Da sie für die Sicherung ihrer Stellung selbst verantwortlich ist und nur gelegentlich mit der Unterstützung durch andere Truppen rechnen kann, muss sie folgende Voraussetzungen erfüllen:

  1. Jeder Soldat, auch der Spezialist, muss den Willen zur Selbstverteidigung haben.
  2. Jeder Soldat muss für die Gefechtssicherung ausgebildet und zweckmäßig bewaffnet sein.
  3. Die Gefechtssicherung muss durch vorsorgliche Befehlsgebung und verzuglose Alarmierung in kürzester Zeit wirksam werden.


in der Regel wird sich die Batterie allerdings anderen Sicherungsaufgaben gegenübergestellt sehen als z.B. eine Panzergrenadierkompanie. Meist wird es sich bei dem Angreifer um Kommando- und Sabotagetrupps handeln, in Ausnahmefällen auch um durchgebrochene Feindkräfte. Dabei wird eingesVerbindungshalten zu benachbarten Heereseinheiten ihre Sicherung entscheidend verbessern. Der wichtige Luftverteidigungsauftrag, der besondere Wert und die Empfindlichkeit des Waffensystems sollten die FlaRakBatterie HAWK nicht in Lagen führen, in denen sie auf kampfkräftige Feindverbände trifft. Ihre Stärke und Ausrüstung lassen eine wirkungsvolle Sicherug nur gegen schwächeren Feind zu. Schon im rückwärtigen Korpsgeist stellt die Sicherung der Einsatzstellung mit Staffel 1 und 2 bei den vorhandenen Kräften eine schwere Aufgabe dar. Die in den Vorschriften HDv 100/1, ZDv 3/11, HDv 212/1 und HDv 213/1 genannten Sicherungsmaßnahmen wird die Batterie nur zum Teil erfüllen können. Es kommt auf Lage und Gelände an und obliegt der Verantwortlichkeit des Batteriechefs, in welchem Umfang er die Gefechtssicherung durchführen kann. Es wäre hier nocheinmal zu überlegen, ob es gerade bei der HAWK - Batterie richtig ist, auf einen Sicherungszug zu verzichten, während andere vergleichbare Verbände der Luftwaffe Sicherungsstaffeln und -züge haben. Man könnte wenigstens an K - Stellen denken. Die Sicherung selbst wird, solange entsprechende Vorschriften der Luftwaffe fehlen, nach den Grundsätzen der genannten Vorschriften durchgeführt. Ihre Anwendung für die FlaRakBttr HAWK liegt im Rohentwurf der LDv 547/1 „Schutz und Sicherheit der Einsatzstellung einer Flugabwehrraketenbatterie HAWK" vor. Soviel sei vorab gesagt:
Die Batterie sicher sich allgemein durch:

  • Geländenutzung und Tarnung,
  • Gefechtsaufklärung,
  • zweckmäßige Gliederung,
  • Gefechtsbereitschaft,
  • Verbindungshalten.


Speziell sichert sie sich durch:

  • Alarmposten
  • Gefechtssicherung, deren Auftrag und Durchführung durch Dienstanweisung oder Befehl sicherzustellen ist.

Näheres über Alarmposten und Gefahrensicherung behaltelt die HDv 213/1 in Nr 236 und 237.
Das Muster eines Alarm- und Feldposteneinsatzes einer HAWK - Batterie zeigt Abb. 1. Auf die im Rahmen der Gefechtssicherung notwendige Geländetaufe wir hier nur hingewiesen. Der auf S. 835 angeführte Befehl für die Sicherung soll den Batteriechefs als Muster dienen. Er ist sehr umfassend, und es bleibt den Chefs selbstverständlich überlassen, nur die Teile des Befehlsmusters zu verwenden, die in ihrer Lage erforderlich sind. Nach dem Beziehen einer neuen Stellung ist zunächst ein vorläufiger Befehl für die Sicherung zu geben, der das Instellunggehen der Batterie sichert. Der Verfasser erspart es sich, die übrigen innerhalb der Sicherung notwendigen Befehle auszuarbeiten. Sie sind aus dem Batteriebefehl zu entwickeln bzw. den o.a. Vorschriften zu entnehmen. Dazu gehören:

  • Befehl des BttrChefs an einen Spähtrupp (entsprechend HDv 213/1, Nr 109 - 127)
  • Befehl des KB - Führers (Zugführers) für die Sicherung (s.HDv 213/1, Nr 240)
  • Befehl für die Feldposten durch den Gruppenführer (s. HDv 213/1, Nr 135)
  • Befehl für die vorläufige Sicherung durch den Gruppenführer (bei nicht vorbereiteten Stellungen; siehe HDv 213/1, Nr 133).


Die Einteilung der Sicherungskräfte sollte inder Regel so erfolgen, dass eine Kampfbesatzung (Zug) sichert, eine zweite ruht und die dritte die Geräte besetzt. Die Staffel 2 sichert ihren Bereich selbst, jedoch ist es kräftesparend, wenn die Sicherungsbereiche der Staffeln 1 und 2 zusammengefasst und gemeinsam gesichert werden können. In Krisenlagen muss die Gefechtssicherug entgegen der hier skizzierten Einteilung verstärkt werden. Der Luftverteidigungsauftrag darf darunter nicht leiden. Dabei sei nochmals erwähnt, wie dringend gerade die FlaRakBttr HAWK auf einen batterieeigenen Sicherungszug, wenigstens in Kriegszeiten, angewiesen ist. Wenn bei stärkerem Feinddruck der Luftverteidigungsauftrag gefährdet ist, muss die Batteie mit Genehmigung ihrer vorgesetzten Dienststelle Stellungswechsel machen. Bei Unterbrechung aller Verbindungen nach oben muss der Batteriechef darüber selbst verantwortlich entscheiden (siehe dazu die maßgeblichen SOP). Zur Sicherung der Einsatzstellng einer FlaRakBttr HAWK gehören selbstverständlich auch alle Maßnahmen zur Fliegerabwehr aller Truppen und zur Panzerabwehr aller Truppen. Darauf wäre in einer späteren Abhandlung einzugehen, zumaldie Ausrüstung der gesamten Luftwaffe mit 20 mm Flugabwehrkanonen erst noch bevorsteht. Das wird neue Überlegungen für ihren wirksamen Einsatz erfordern. In meinem Beitrag kam es mir darauf an, darauf hinzuweisen, dass in Krisenlagen jeder Soldat einer FlaRakBttr HAWK willens und fähig sein muss, seine Stellung und sein Gerät zu sichern. Dazu ist es notwendig, die entsprechenden Waffen zu beherrschen, aber auch eine gemeinverständliche, einheitliche Befehlssprache und Befehlsgebung zu pflegen. Das beigegebene Befehlsmuster und die Stellungsskizze sollen bis zum Erscheinen der LDv 547/1 eine noch bestehende Lücke ausfüllen.

 

Beispiel für den Aufbau der Sicherung einer HAWK-Einsatzstellung


Befehl für die Sicherung
Muster


1. Lage:
a) Feind:

  • Stärke, Art, Ort, Bewegungsrichtung, derzeitiges und zu erwartendes Feindvehalten. „Es ist damit zu rechnen, dass ...", Sperren, Minenfelder, Luftlage
  • Angaben, welches Gelände
  • voraussichtlich freindfrei
  • feindgefährdet
  • voraussichtlich feindbesetzt ist.

b) Eigene Lage:

  • Lage und Absicht des Heeresvebandes, in dessen Bereich sich die Batterie befindet („Brigade setzt Vormarsch fort, ... greift an und gewinnt ..., verhindert hinhaltend kämpfend ..." usw.)
  • Lage und Absicht des eigenen Bataillons
  • eigene vorderste Teile (Gefechtssicherung, Spähtrupps)
  • Lage bei Nachbarn, Mitteilung über eigene Sperren

2. Auftrag
Batterie sichert sich gegen Angiffe schwächerer Feindverbände und Sabotagetrupps, um den Luftverteidigungsauftrag durchführen zu können. Schwerpunkt ...

3. Durchführung
a) Es werden eingesetzt:

  • Kampfbesatzung 1 (Bewaffnung, Ausrüstung ...)
  • Sicherungslinie von Punkt ... über ... über... nach Wegekreuz ...)
  • Im Alarmfall steht die Alarmgruppe für Notfälle der Batterie und eine Gruppe des benachbarten Versorgungsbataillons ... zur Verfügung.


b) Verhalten bei Auftreten von Feind:

  • bei Auftreten von Sabotagetrupps, Banden, verdächtigen Zivilisten und schwächeren Fallschirmjägern
  • bei schwächeren, ungepanzerten Aufklärungskräften...
  • bei gepanzerten Aufklärungskräften
  • bei erkannten stärkeren Feindkräften

4. Auftrag an Kampfbesatzung 1 (derzeit Sicherungszug)
a) KB sichert durch Feldposten

  • bei Tag von Höhe ... (einschl.) ... über Ziegelei ... bis Pkt ... auf ...
  • Ein stehender Spähtrupp ist vorzuschieben an Straßenkreuz bei ...,
  • bei Nacht von ... über Waldstück bei ... über Wegegabel bei ... über Höhe (alles in der Karteoder im Gelände zu zeigen).


b) Bei ... ist eine Minensprerre gegen gepanzerte feindliche Aufklärung anzulegen.
Sprengung der Brücke über den Wiesenbach ist vorzubereiten.


c) Nachts sind Spähtrupps zur Überwachtung des Geländes zwisches den Feldosten
einzusetzen.

5. Alarmstellung
Ausbau der Alarmstellung nach Erkundung.
In Sicherungslinie ist solange zu kämpfen, bis Befehl zum Beziehen der Alarmstellung ergeht.

6. Maßnahmen zur ABC - Abwehr
(nur soweit befehlen, wie sie nicht Ausbildungssache sind)

7. Fliegerabwehr aller Truppen
Stellungen - Feuerregelung - Bereitschaftsgrad - Luftraumspähdienst.

8. Panzerabwehr aller Truppen
Zugführer erkundet Einsatz der Panzerfaust (le) ...

9. Verkehrsregelung
Sperren von Straßen, Beschränkung des Zivilverkehrs zeitlich und/oder räumlich

10. Versorgung
Verpflegungsempfang - Sanitäts - Trupp - Truppenverbandsplatz - Gefangene und Verdächtige sind ... zu führen.

11. Führung und Fernmeldeverbindungen
a) Fernsprech-, Funkverbindung, Sendeverbot
b) Leucht-, Lichtzeichen, Erkennungszeichen für Spähtrupps, Parole
c) Meldungen:
Aufstellung des Feldpostens, Wege der Spähtrupps mit Skizze melden bis ... Uhr
Danach laufend ... zu bestimmten Zeiten ... bei besonderen Vorkommnissen
durch Fernspruch, ... Melder ...
d) Regelung der Alarmierung:
Bei Annäherung von Feind erfolgt Alarmierung durch ...

12. Batteriegefechtsstand ...

 

 

 

 

Oberstleutnant Klaus – Dieter Homann

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