Dies & Das

Rat Burbach "kaserniert"

08.04.2007 13:20 von Jens Joel (Kommentare: 0)

Pressebericht vom 13.12.1995

Lebendig und unverkrampft
Oberstleutnant lobte Verhältnis zur Gemeinde


Burbach. Auf den Stühlen, wo sonst die Herren mit den Epauletten sitzen, hatten es sich gestern Abend die Ratsdamen und herrn der Gemeinde bequem gemacht - im Offizierskasino der Siegerland-Kaserne in Burbach. Anlass der Zusammenkunft war zum einen die letzte ordentliche Sitzung des Gremiums vor Weihnachten - sechs Punkte im öffentlichen Teil rangierten auf der Tagesordnung - zum anderen galt es, eine offitielle Patenschaft zwischen der Gemeinde und der Flugabwehrraketengruppe 38 zu besiegeln.

Zunächst sprach der Standortälteste und Kommodore des Flugabwehrraketengeschwader 4, Oberst Rolf Gundlach, über die aktuelle Lage der Streitkräfte und vor allem das gewandelte Selbstverständnis der
Truppe in der Ära nach dem Kalten Krieg. Anschließend ergriff der Kommandeur der Flugabwehrraketengruppe 38, Oberstleutnant Walter Krüger, das Wort und erläuterte den veränderten Auftrag der Bundeswehr in seinen
Auswirkungen auf die Luftverteidigungskräfte der Luftwaffe sowie die Konsequenzen für den Standort Burbach.

Das ehemals klar nach Osten ausgerichtete Konzept der "Vorneverteidigung" mit genau defibierten Einsatzräumen und -plänen, so der Kommandeur, gehöre nun der Vergangenheit an. Heute seien vielmehr flexible Strukturen nötig, um den veränderten sicherheitspolitischen Umfeld gerecht zu werden. Für die hiesigen Soldaten bedeute dies mehr Mobilität und ein hohes Maß an möglichen Einsatzaufträgen. Der Gruppe 38 komme dabei als sog. Hauptverteidigungsverband eine Ausbildungsfunktion zu. Die Fähigkeit zur Mobilmacheung müsse dabei stets aufrechterhalten bleiben. Einzelne Soldaten, das wurde ferner deutlich, können zu Aufgaben im Rahmen der "Krisenreaktionskräfte" herangezogen werden. Burbach falle als Garnisionsgemeinde eine große Bedeutung zu. Die Soldaten benötigten den Rückhalt in der Bevölkerung im Friedens-Ausbildungsdienst wie im Einsatz. Schon heute befänden sich 2000 deutsche Soldaten in Krisenregionen, so der Kommandeur in seinem Referat weiter. Sie und die an den jeweiligen Standorten verbliebenen Familien seien auf die Verbundenheit mit dem militärischen und zivilen Umfeld angewiesen. Für Burbach gelte dies besonders: 70 Prozent der Soldaten haben im 50-Kilometer-Radius ein neues Zuhause gefunden.

Über die Jahre hätten sich vielfältige Beziehungen zur Gemeinde entwickelt, lobte Krüger. Es gebe schließlich eine ganze Reihe gemeinsamer Aktivitäten. In Burbach sei man stets freundlich aufgenommen worden. Vertsärkt werden die Soldaten durch 120 zivile Mitarbeiter in der Siegerland-Kaserne. Unternehmen aus dem direkten Umland profitierten durch Aufträge aus dem militärischen Bereich. Allein in den vergangenen fünf Jahren flossen ca. 30 Mio. DM in "infrastukturelle Maßnahmen", erklärte Krüger, weitere 10 Mio DM sollen noch folgen. Für die Erhaltung der Gebäude werden jedes Jahr etwa 1,5 Mio DM ausgegeben.
All diese Verflechtungen stellten die Basis für die neue Patenschaft dar, eine Einschätzung, die auch Bürgermeister Volkmar Klein in seiner Ansprache würdigte. Krüger und Klein tauschten unter dem Beifall
zahlreicher Zuschauer und den Ratsvertretern Urkunden aus. Man erhoffte sich auch weiterhin eine gute Zusammenarbeit und einnen Ausbau der Beziehungen, hieß es. Der Kommandeur erwähnte die Aktivitäten aus dem sportlichen und dem geselligen Bereich sowie die stärkere Einbindung der Soldaten in die örtlichen Vereinne. Zuvor hatten die ratsvertreter noch reichlich Gelegenheit, Fragen an Oberst Gundlach und Oberstleutnant Krüger zu stellen. Interesse fand dabei wohl auch Krügers Antwort auf Ottmar Gontermanns Nachfrage, ob es noch atomare Gefechtsköpfe am Standort gebe. Das verneinte der Kommandeur.

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