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Zwei weitere Luftwaffen-Staffeln nach Mengeringhausen?

01.08.2008 17:47 von Jens Joel (Kommentare: 0)

„Zweite Geburt" der Bundeswehr

Waldeckische Landeszeitung 05.07.1990?

„Zweite Geburt" der Bundeswehr

Arolsen-Mengeringhausen
„Großer Bahnhof" am Freitagvormittag auf dem Mengeringhäuser Hagen: Bundesverteidigungsminister Volker Rühe setzte die Reihe seiner Truppenbesuche mit einem Abstecher bei der ersten Staffel des Flugabwehrraketengeschwaders 38 fort.

Dabei wurde bestätigt, dass der Bundeswehr-Standort Arolsen schon im nächsten Jahr um zwei weitere Luftwaffen-Staffeln verstärkt werden könnte, ein willkommener Ersatz für den bevorstehenden Abzug der belgischen Streitkräfte. Auf Nachfrage der WLZ kündigte Rühe an, er werde Ende des Jahres über einen Vorschlag des Führungsstabs der Luftwaffe entscheiden, zwei weitere Staffeln mit Hawk-Flugabwehrraketen nach Nordwaldeck zu verlegen.

Umzug noch nicht entschieden

Unterbringungsmöglichkeiten für die zurzeit noch in Delmenhorst und Nienburg stationierten Soldaten seien in der Prinz-Eugen-Kaserne ausreichend vorhanden. Außerdem könnten die durch den Abzug der belgischen Streitkräfte freigewordenen und künftig freiwerdenden Hawk-Raketen-Stellungen in Korbach und auf dem Quast bei Wethen genutzt werden. Der Umzugs-Vorschlag sei Teil eines größeren Pakets, über das noch nicht entschieden wurde.
Hauptanliegen des Ministerbesuchs auf dem Hagen waren jedoch ausführliche Gespräche mit den Vertrauensleuten der Soldaten und eine Einweisung in die Luftabwehrsysteme „Hawk" und „Patriot". Anschließend absolvierte Verteidigungsminister Rühe in Kassel seinen Antrittsbesuch beim hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die „documenta" besichtigt.

 

Bundesverteidigungsminister Volker Rühe im Gespräch mit Mengeringhäuser Luftwaffensoldaten


Schwierige Übergangsphase

Vor seinem Abflug nach Kassel bekräftigte Rühe, er habe sich in Mengeringhausen vom technischen Können der Soldaten überzeugen können. Die Waffensysteme „Hawk" und „Patriot" stellen auch in Zukunft einen wichtigen Bestandteil der bodengestützten Luftverteidigung dar.
Angesichts der veränderten Bedrohungslage befinde sich die Bundeswehr in einer schwierigen Übergangsphase. Rühe sprach sogar von einer „zweiten Geburt" der Bundeswehr. Aufgabe der Bundeswehr sei nicht mehr die Abwehr einer bestimmten Bedrohung, sondern ganz allgemein die Verteidigung von Souveränität und Sicherheit des Landes. Diese in anderen Ländern übliche Sichtweise müsse sich auch in der Bundesrepublik durchsetzen.

Grundgesetz ändern

Wohl aber müsse der Einsatz der Bundeswehr erlaubt sein, wenn schwerwiegende, deutsche oder europäische Sicherheitsinteressen betroffen seien. Diese „erweiterte Landesverteidigung" und der Einsatz bei friedenssichernden Blauhelmaktionen, gedeckt durch die Charta der Vereinten Nationen, müsse durch eine Grundgesetzänderung ermöglicht werden. Die dafür notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit sei freilich nur mit den Stimmen der SPD im Bundestag zu erreichen.

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