Dies & Das 39

Gedenkstein für die 42 Kreta-Opfer

17.11.1975 01:00 von Schlei Bote (Kommentare: 0)

Gedenkstein für die 42 Kreta-Opfer auf dem Süderbraruper Ehrenfriedhof am Volkstrauertag enthüllt

Die Gedenkrede in Süderbrarup hielt Major Treiber von der Thorsbergkaserne Fotos: koeSüderbrarup (uk). „Mit Gewalt lassen sich keine Konflikte lösen. Gewalt löste weder territoriale noch ideologische Streitereien und auch nicht die Probleme der Bevölkerungsexplosion, der Unterernährung oder ungenügender Bildung... Nur wenn es den Menschen gelingt, in sich selber friedlichere Haltungen und Verhaltensweisen zu entwickeln, können Gewalt und Krieg überwunden werden."

 

Diese Worte, die der als einer von den 42 tödlich verunglückten Soldaten Major Horst Strecke von der Süderbraruper Thorsberg-Kaserne vor einem Jahr zum Volkstrauertag am Ehrenmal sprach, griff der neue Standortälteste, Major Henner Treiber, gestern in seiner Ansprache vor dem Ehrenmal auf. Doch, so Treiber, von diesem Ziel sei die Menschheit noch weit entfernt.

 

Der diesjährige Volkstrauertag wurde in Süderbrarup zu einem Tag, an dem die Soldaten der Thorsberg-Kaserne und mit ihnen die zivile Bevölkerung der 42 Soldaten gedachten, die am 9. Februar, dieses Jahres bei einem Flugzeugunglück auf Kreta ums Leben kamen. Ihnen zum Gedenken wurde auf dem Süderbraruper Ehrenfriedhof ein Gedenkstein enthüllt.

Dank der Unterstützung der Gemeinden des Amtes Süderbrarup und des Verteidigungsministeriums konnte den im Dienste der Bundesrepublik Deutschland stehenden und verunglückten Männern ein ehrendes Andenken geschaffen werden. Major Treiber erinnerte an den lähmenden Schrecken und an die verzweifelte Hoffnung, die im Februar in Süderbrarup herrschten, als das Unglück bekannt wurde. „Wir kennen den Schmerz der Hinterbliebenen, die Anteilnahme der Bevölkerung, die schweren Stunden an den Gräbern."

„Nicht der Krieg ist der Ernstfall, in dem der Mann sich zu bewähren habe, wie meine Generation in der kaiserlichen Zeit auf den Schulbänken lernte, sondern der Frieden ist der Ernstfall, in dem wir uns alle zu bewähren haben". Dieser Ausspruch des Altbundespräsidenten Gustav Heinemann treffe, so Major Treiber, für die Soldaten zu. Ihr aller Auftrag liege darin, den Krieg zu verhindern und den Frieden zu sichern: „Unsere 'Kameraden starben im Frieden, im Dienst und Glauben an den Frieden, ihr Leben hatte darum einen Sinn."

 

Nach der Enthüllung des Gedenksteines legten Amtsvorsteher Max Werner Detlefsen, Bürgermeister Wolf-Horst Hoppe, der Kommandeur des FlgGrp LTG 63, der Kommandeur des FlaRakBtl. 39, Bürgermeister Kurt Schulz aus Eckernförde und MdB Irma Tübler vom Bundesverteidigungsausschuss Kränze an diesem Mal nieder. Durch Kranzniederlegung an den Ehrenmalen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg durch die Bürgermeister der Süderbraruper Kirchspielgemeinden, der Reservistenkameradschaft und einer Abordnung der Thorsberg-Kaseme wurden an diesem Tag auch der Soldaten gedacht, die im Krieg ihr Leben für das Vaterland ließen. Glockengeläut, Posaunen- und Männerchor umrahmten diese Feierstunde in Süderbrarup, in der zur Besinnung gemahnt wurde, zum Nachdenken über Leben und Tod, Frieden und Krieg.

 

Kappeln (jm). Gerechtigkeit, Verantwortung und Versöhnung müsse als bestimmende Macht unter uns herrschen, wir müssten aus der Gleichgültigkeit herausgerissen werden, dann könne der Volkstrauertag einen Sinn haben, betonte am Ehrenmal auf dem Kappelner Friedhof Propst Dr. Sievers. Die Vergangenheit und die Menschen dürften wir nicht vergessen, auf das wir auf uns selbst acht haben.

Der Propst erinnerte daran, dass der letzte Krieg Wunden geschlagen hat, die bis heute noch nicht vergessen seien. Das sei an der augenblicklichen Diskussion um die Polen-Verträge zu merken, das werde aber auch deutlich an der Tatsache, dass bis heute eine 22bändige Dokumentation über das Schicksal der Gefangenen bis auf zwei Bände nicht veröffentlicht worden sei. Es gebe keinen vernünftigen Grund, den Krieg zu rechtfertigen, betonte der Propst, der Mensch sei ein vernunftbegabtes Wesen, doch es sei schwer, dass er davon Gebrauch mache.

 

Bürgervorsteher Ramge und ein Kappelner Bürger und Rabeis- Bürgermeister Wendt und ein Mitbürger legten zu dem vom Musikzug der Kappelner TSV intonierten „Ich hat' einen Kameraden" Kränze nieder.

 

Kappeln-Olpenitz (hej. Vor dem Ehrenmal in Olpenitz wurden unter großer Beteiligung der Bevölkerung Kränze von der Stadt Kappeln und der Bundesmarine niedergelegt. Den feierlichen Rahmen zur Gedenkstunde anlässlich des Volkstrauertages bildeten die Feuerwehrkapelle Olpenitz sowie die Wehren aus Olpenitz, Ellenberg und Kopperby.

 

Militärpfarrer Medock erinnerte an die Worte des 102. Psalmes, dass das Leben des Menschen wie das Gras und die Blume sei, die verwelken, um wieder zum neuen Leben zu erwachen. Jeder Name auf dem Ehrenmal bedeute einen lebendigen Menschen. Der Militärpfarrer erinnerte an die 42 Opfer der Kreta-Katastrophe und an die zwei Soldaten, die kürzlich vor dem Stützpunkt tödlich verunglückten. Alle Herrlichkeit auf Erden sei vergänglich, so sei auch der Mensch hier nur Gast. Für die Menschen solle der Tod nur einen vorübergehenden Abschied bedeuten. Das Leben ende nicht am oder im Grabe es gehe hin-…

 

Die Gedenkrede in Süderbrarup hielt Major Treiber von der Thorsbergkaserne
Die Gedenkrede in Süderbrarup hielt Major Treiber von der Thorsbergkaserne Fotos: koe

 

 

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