Dies & Das 39

Verlegeübung mit Reservisten im Rahmen einer Mob-Übung

01.09.2010 22:48 von Jens Joel (Kommentare: 0)

Reservisten übernehmen Sicherung einer HAWK-Stellung.

Zeitungsartikel 1972

In der Woche vom 23.10.-28.10.72 führte die 4./FlaRakBtl 39 zum ersten Mal eine größere Mob-Übung mit Reservisten durch.

 

Von 81 angekündigten Soldaten melden sich schließlich 39 bei der Batterie, eine immer noch recht stattliche Anzahl. Dies erfordert eine genaue Planung für die Einkleidung, Unterbringung und den sinnvollen Einsatz der Reservisten während der 6-tägigen Übung; hierbei sollen die Reservisten in ihren geplanten Mob- Verwendungen im Sicherungs- und Verkehrssicherungsdienst sowie als Kraftfahrer eingesetzt werden. Der BttrFw, HFw Huke, und der Nachschubmeister, HFw Möller, haben alle Hände voll zu tun, um die verwaltungstechnischen Arbeiten zu bewältigen.

 

An den ersten beiden Tagen bekommen die Soldaten Ihre Stuben zugewiesen, werden eingekleidet und erhalten eine Allgemeineinweisung in das HAWK-System sowie in die Aufgaben, die sie während der Übung wahrzunehmen haben.

 

Mit der Bekanntgabe der Lage durch den Batteriechef, Hptm Greaser, beginnt am 25.13.72 der gefechtsmäßige Einsatz der 39 mob-übenden Soldaten. Die HAWK- Stellung ist durch Sabotageaktionen des Gegners unmittelbar bedroht. Vermehrte feindliche Luftaufklärung lässt auf einen bevorstehenden Angriff durch gegnerische Bomben schließen. Zum ersten Mal übernehmen mob-beorderte Reservisten die Sicherung der HAWK-Stellung, was einen Einsatz des gesamten Bttr-Personals für Waffensystem-Aufgaben ermöglicht.

 

Ohne Rücksicht auf Ihre frühere Verwendung in allen Bereichen der Bundeswehr besetzen die Übenden die Kampfstände und Zwillingssockellafetten. Ein Bildauswerter übernimmt die Funktion des Luftraumbeobachters, ein früherer Fla L 70 Geschützführer bedient ein Zwillings-MG für die Fliegerabwehr. Der Angriff eines "Sabotagetrupps" wird frühzeitig erkannt und erfolgreich bekämpft. Eine Auswertergruppe und Bttr-Personal greifen helfend ein, wenn die Reservisten eigenwillige Vorstellungen von ihrer Tätigkeit haben und von der erwarteten Reaktion abweichen.

 

überraschend kommt der Verlegebefehl und nun haben die Reservisten erneut völlig neue Funktionen zu übernehmen. Als Kraftfahrer, Verkehrsregelungstrupp und Sicherung auf dem Marsch finden sie eine sinnvolle Verwendung und erhalten einen Einblick in die umfangreichen Aufgaben, die die Batterie zu bewältigen hat, bis das Waffensystem wieder einsatzbereit in der Üb-Stellung den Luftverteidigungsauftrag übernehmen kann. In der üb-Stellung beziehen die Reservisten das vom Bttr-Tross unter Leitung des BttrFw vorbereitete Biwak und übernehmen die Nachtsicherung, während das aktive Bttr-Personal das WS-HAWK besetzt. Die Ablösung erfolgt alle 3 Stunden und jeder Sicherungs- und Horchposten empfindet die Ruhezeit auf den mit Stroh aufgefüllten Ladeflächen der LKW als verdiente Erleichterung in der ermüdenden und kalten Oktobernacht im Postenstand.

 

Um 06.30 Uhr ist der Einsatz beendet und den Reservisten wird nach dem Frühstück im Rahmen der ABC-Ausbildung die Zündung einer Üb-A-Bombe demonstriert.

 

Ort der nächsten Bewährung für die Reservisten ist die Standortschießanlage Krummenort. Eine Kurzausbildung am G 3 und MG 1 befähigt die "Kurzzeitsoldaten", die zum Teil noch an anderen Waffen ausgebildet waren, zur Handhabung der Waffen. Die Schießergebnisse, es werden 6 Übungen in verschiedenen Anschlagsarten geschossen, sind gut und geben dem Binzeinen das Gefühl, dass er das militärische Handwerk in seinen Grundzügen noch beherrscht.

Eine weitere Bestätigung seiner körperlichen Fitness bedeutet ein 6 km langer Gewöhnungsmarsch in den erst 3 Tage getragenen Schnürstiefeln, besonders für die älteren Teilnehmer; wenn der Leser hier berücksichtigt, dass der älteste Teilnehmer Jahre jung war.

 

Nicht nur der sinnvolle Einsatz der Reservisten beschäftigt die Batterie in diesen Tagen, auch die administrative Seite, der umfangreiche "Papierkrieg" der so nebenbei noch zu führen war, wird bewältigt.

 

Der bereits während der Übung gebildete persönliche Kontakt zwischen Reservisten und aktiven Soldaten konnte an dem abschließend, mit kalter Platte und Bier gut vorbereiteten Kameradschaftsabend, wesentlich vertieft werden* neben den Offizieren und einem Teil der Unteroffiziere der Bttr war auch der BtlKdr, Major Depkat, anwesend. In den angeregten Unterhaltungen traten eine Fülle von Schwierigkeiten zutage, die während der einwöchigen, entbehrungsreichen Zeit der Einzelne zu tragen und zu lösen hatte.

 

 Einige äußerten sich zwar missmutig über die Truppenverpflegung und ein Reservist hätte sich sogar gerne 1-2 Stunden Formalausbildung gewünscht, aber insgesamt gesehen waren alle doch recht zufrieden mit dem Ausgang ihrer Mob-Übung.

 

Durch die verständige Zusammenarbeit aller Beteiligten können alle Teilnehmer mit Stolz auf den Erfolg und die vollbrachten Anstrengungen zurückblicken und hoffen, dass sich die Erfahrungen der Reserveübung in wiederholenden und evtl. länderen Einberufungen in Zukunft niederschlagen werden. Nur so lässt sich der Ausbildungsstand der Reservisten erhöhen und ein weiteres Zusammenwachsen und ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihrer Stammeinheit vertiefen.

 

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